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Weltladen und Fair-Handels-Messe in Wermelskirchen
Frau Buhlmann, bitte stellen Sie doch sich und den Weltladen kurz vor.
Mein Name ist Ulla Buhlmann. Ich bin eine von 3 Vorständinnen des "Ökumenischer Arbeitskreis Eine Welt e.V.", dem Trägerverein des Weltladens. Ich bin im Hintergrund des Weltladens unter anderem zuständig für Finanzen und für Aktionen außerhalb der normalen Öffnungszeiten.
Der Weltladen Wermelskirchen kann auf eine über 40-jährige Geschichte im Fairen Handel zurückblicken. Im Laufe der Jahre ist der Laden stetig gewachsen und hat jetzt seinen festen Platz zu Füßen der Stadtkirche im Zentrum Wermelskirchens gefunden. Vor 2 Jahren haben wir uns räumlich vergrößert und den Laden moderner gestaltet. Das kommt bei unseren Mitarbeiterinnen sowie Kundinnen und Kunden ausgesprochen gut an.
Sie und Ihre Kolleg*innen im Team des Weltladens haben kürzlich bereits zum fünften Mal eine Fair-Handels-Messe durchgeführt. Wie ist denn diese Idee entstanden?
Die Organisation der Fair Trade Hausmesse ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Kooperation und regionale Vernetzung den Fairen Handel stärkt.
Die Idee geht auf das Fair-Handels-Unternehmen Baghi zurück. Familie Bohn hielt vor 7 Jahren einen Vortrag in Wermelskirchen. Auf Grund der dort gewonnenen Impulse und der räumlichen Voraussetzungen schlugen sie uns vor, hier eine zentrale Einkaufsmesse für Arbeitskreise und Weltläden in NRW zu schaffen. Wermelskirchen liegt mitten im Bergischen Land zwischen Köln, Düsseldorf und Wuppertal, direkt an der Autobahn A1. Eine ehemalige große Schuhfabrik, mittlerweile ein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Kulturzentrum, ist eine ideale Location.
Wer ist die Zielgruppe der Messe und wie wird sie angenommen?
Bereits bei der ersten Veranstaltung 2019 stieß die Messe bei Weltläden und Händlern auf großes Interesse. 16 Fair-Handels-Unternehmen, damals auch GEPA und El Puente, waren dabei. Die Messe richtete sich an alle Weltläden der Region, da die kurze Anreise für die Teilnehmenden vorteilhaft ist. Auch die Mitarbeitenden der Weltläden waren willkommen und konnten sich im direkten Gespräch mit den Ausstellern über Produkte und Hintergründe informieren. Dieser Austausch sorgte für eine stärkere Identifikation mit den Prinzipien des Fairen Handels. Das Miteinander auf Augenhöhe fördert das Gefühl, als Teil einer großen Familie zu agieren. Motivation und Engagement aller Beteiligten werden nachhaltig gestärkt. Ein weiterer Vorteil des Messeformates liegt darin, dass Gespräche und individuelle Beratungen nicht durch Workshops oder Vorträge unterbrochen werden.
2021 erweiterten wir die Messe auf zwei Tage. Ein Tag ist für Fachbesucher*innen vorgesehen, während am zweiten Tag interessiertes Publikum willkommen ist. Dieser Ansatz fand großen Anklang und brachte eine noch breitere Zielgruppe zusammen.
Sicherlich bringt so ein großes Projekt auch Herausforderungen mit sich?
Ja, das stimmt. Die großen Anbieter wie GEPA, El Puente und WeltPartner organisieren mittlerweile eigene Messeformate, die häufig orts- und zeitnah vor unserer stattfinden. Dadurch entsteht für die ehrenamtlich engagierten Teams in den Weltläden die schwierige Entscheidung, an welchem Termin sie teilnehmen sollten. Wir würden uns wünschen, dass hier mehr Absprachen im Vorfeld stattfänden, oder dass die Großen im Fairen Handel, wie WeltPartner es immer macht, auch an unserer Veranstaltung teilnehmen. Es geht ja um Synergieeffekte und um ein großes gemeinsames Ziel.
Sie organisieren die Messe ja größtenteils oder sogar vollständig ehrenamtlich und parallel zum laufenden Betrieb des Weltladens. Wie schaffen Sie es, für diese Kraftanstrengung alle im Team zu motivieren?
Natürlich ist der Erfolg der Messen die größte Motivation! Bei der Organisation hat sich mittlerweile eine routinierte Arbeitsteilung herausgebildet. Die Termine werden immer schon zwei Jahre im Voraus gebucht. Eine Vorständin organisiert das Catering, eine weitere Vorstandskollegin und Einkäuferin, Monique Schüpphaus, lädt Händler und Weltläden ein. Für die Händler ist es zuweilen schwierig, Terminzusagen zu machen, da sie im Frühjahr oft auf Produzentenbesuchen in der Welt unterwegs sind. Das stellt uns vor die Herausforderung, immer wieder neue Anbieter zu finden. 15 Aussteller müssen es aus finanziellen Gründen mindestens sein.
Und natürlich haben auch wir unter dem Trend, sich nicht verbindlich auf einen Termin festzulegen, zu leiden. Es ist immer viel Arbeit, Erinnerungseinladungen an Weltläden zu verschicken, und es sind immer wieder unnötig spannende Fragen, ob überhaupt genug Weltläden zu unserer Messe kommen.
Trotz allem: Es macht so viel Freude, sich gegenseitig kennenzulernen, auszutauschen und zwanglos Beziehungen zu knüpfen.
Zusätzlich zur Messe haben Sie vor zwei Jahren auch in den Aus- und Umbau Ihres Ladens investiert. Was sind Ihre Erfahrungen damit?
Durch den Umbau hat sich die Attraktivität des Weltladens deutlich erhöht. Während der Umbauphase hatten wir das Glück, für ein halbes Jahr in ein leerstehendes Ladenlokal umziehen zu können – eine logistisch herausfordernde, aber lohnenswerte Entscheidung. Der alte Laden wurde kernsaniert: Fußboden und Decke wurden erneuert, eine Wand entfernt, um mehr Offenheit zu schaffen. Neue, freistehende Möbel ermöglichen seitdem eine völlig veränderte und moderne Warenpräsentation. Das Ergebnis ist ein heller, freundlicher Verkaufsraum mit ganz neuer Ausstrahlung.
Begleitet wurde der Prozess durch gezielte mediale Kommunikation, was sich ausgezahlt hat: Wir konnten viele neue Kundinnen und Kunden begrüßen – ebenso wie neue Mitarbeiterinnen, die durch die positive Atmosphäre zum Mitmachen motiviert wurden. Dadurch war es möglich, die Öffnungszeiten auszuweiten.
Das Team arbeitet heute mit großer Freude zusammen. Es herrscht ein fröhliches Miteinander, das auch nach außen spürbar ist. Die ehrenamtliche Arbeit erfährt vor Ort große Wertschätzung, was wiederum das Engagement stärkt. Auch die Umsätze konnten durch die neue Präsentation positiv beieinflusst werden.
Vielen Dank für das interessante Gespräch.